Studio for Propositional Cinema

IN ADVANCE OF A SHIPWRECK:

29. Oktober 2016 bis 8. Januar 2017
Eröffnung: 28. Oktober 2016, 19.30 Uhr

„Ich habe diese Texte zusammengestellt, um mir zu beweisen, dass ich nicht alleine bin. Damit andere, wenn sie meine Karten sehen, sich verbünden werden. Für sie lege ich meine Karten auf den Tisch.“
- Übersetzt nach: Louis Aragon, J’abats mon jeu, 1959

IN ADVANCE OF A SHIPWRECK: betitelt einerseits die aktuelle Ausstellung des Studio for Propositional Cinema im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf, und ist andererseits Titel eines Texts, der die Architektur und den Ausstellungsraum des Kunstvereins regelrecht überschreibt; der Text beginnt im Außenraum beim Schaufenster des Kunstvereins (sein permanenter Ausstellungsort im öffentlichen Raum in der Neustraße), verläuft dann entlang der Fenster der Buchhandlung Walther König, setzt sich über den Rahmen für das Außenbanner an der Fassade der Kunsthalle fort, bevor er das Foyer und schließlich den eigentlichen Ausstellungsraum erreicht. Thematisch konzentriert sich der Text auf die wachsende politische Dringlichkeit der Präsentation und Vermittlung widerständiger Formen von Kultur Räume zu öffnen und dies in einem Klima zu tun, der diese Formen zum einen (durch die gleichmacherischen Maschinerien der Massenkultur) verwässern oder auszuschalten und zum anderen (als ideologisches Endspiel religiöser Fundamentalismen) ihre gesamte Geschichte und potenziellen Zukünfte zu vernichten droht. Der Text ‚rahmt’ im buchstäblichen wie im übertragenen Sinne die Präsentation und ihre institutionellen Kontexte und ist zugleich selbst das zentrale Element der Ausstellung.

IN ADVANCE OF A SHIPWRECK: vereint drei zeitgebundene Aspekte, die sich in der Laufzeit der Ausstellung prozessual entfalten. Der erste besteht aus einer Reihe von Ausstellungen mit Plakaten, Ephemera und Arbeiten im Schaufenster des Kunstvereins, die sich mit Formen von Öffentlichkeit beschäftigen; diese Serie beginnt mit einem Überblick der Ausstellungsplakate des Studio for Propositional Cinema (ab 24. Oktober) und wird fortgesetzt mit Blinky Palermo und Sigmar Polke (8.–20. November), Sarah Kürten (22. November – 4. Dezember), Feminist Land Art Retreat (6.–18. Dezember), Nicolás Guagnini (20. Dezember – 1. Januar) und Roy Arden (8.–29. Januar). Im Ausstellungsraum des Kunstvereins wird, als zweiter Aspekt, eine neue Serie von 73 kleinen Publikationen präsentiert, die in enger Zusammenarbeit mit Künstler_innen, Kollektiven und Autor_innen im Rahmen bisheriger Ausstellungsprojekte des Studio for Propositional Cinema entstanden sind, beginnend mit seiner „Inauguration“ im Kunstverein in Düsseldorf, gefolgt von Projekten am mumok, Wien, am Kunsthaus Bregenz und im Ausstellungsraum des Studio for Propositional Cinema in der Ackerstraße in Düsseldorf. Die einzelnen Publikationen erscheinen kontinuierlich während der Laufzeit der Ausstellung und werden dieser Tag für Tag hinzugefügt. Drittens wird die Ausstellung durch eine Reihe von Veranstaltungen strukturiert, darunter eine Aufführung von Scenes at an Inauguration von Keren Cytter & Studio for Propositional Cinema (zur Eröffnung am 28. Oktober, 20 Uhr), egal, ein neues Stück von Sarah Kürten (22. November, 19 Uhr), Paul Sharits: Prescription and Collapsed Temporality von Tony Conrad (6. Dezember, 19 Uhr) und ein Vortrag / Lesung von Aaron Peck (zur Finissage am 8. Januar, 18 Uhr).

Das Studio for Propositional Cinema agiert anonym, individuell und kollektiv. Wir sind Teil von ihm und gleichzeitig von ihm entfremdet. Es wurde 2013 im Rahmen der Performance-Veranstaltung Proposals and Propositions des Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen gegründet und konstituierte sich in einem öffentlich proklamierten Manifest, das erklärte: „Wir sind für Produktion und die Negation von Produktion. Wir sind für Distribution und die Negation von Distribution. Wir sind für Rezeption und die Negation von Rezeption. Ihr wollt uns nicht, doch wir sind schon längst in eurem Kopf.“ Seither haben seine Aktivitäten vielfältige Formen angenommen; dazu gehören ein Ausstellungsraum in Düsseldorf, verschiedene Publikationsprojekte (darunter Papier und Gelb, eine Düsseldorfer Buchhandlung, die 2015 zusammen mit dem Rhein-Verlag gegründet wurde), kontinuierliche Kooperationen mit anderen Künstler_innen wie Keren Cytter, Alex Wissel/Jan Bonny und Gaylen Gerber sowie mehrere Ausstellungen, die allein oder mit einem losen Netzwerk anderer Künstler_innen und Kulturproduzent_innen realisiert wurden, deren Anliegen, Aktivitäten und Ideale sich mit den eigenen überschneiden. Die meisten dieser Projekte beruhen auf Sprache und werden auf unterschiedliche Weise in Form von Reden, Performances, Schildern, Manifesten, Titeln und Pressemitteilungen präsentiert.

IN ADVANCE OF A SHIPWRECK: markiert als künstlerisches und kuratorisches Projekt sowohl ein Ende als auch einen Neubeginn. Die Ausstellung, die von Hans-Jürgen Hafner, dem vorigen Direktor des Kunstvereins, programmiert und gemeinsam mit Eva Birkenstock kuratiert wurde, verbindet Hafner Zyklus thematischer und monografischer Ausstellungen der letzten fünf Jahre lose mit dem neuen Programm, das bald von seiner Nachfolgerin vorgestellt werden wird; sie wiederum organisierte im vergangenen Juni ein Ausstellungsprojekt mit dem Studio for Propositional Cinema am Kunsthaus Bregenz.

In einem Kontext der Zusammenarbeit und Zusammenführung stellt IN ADVANCE OF A SHIPWRECK: die Verbreitung und Ausstellung von Texten und Kunstwerken in den Mittelpunkt. Diese Aktivitäten sind von der Hoffnung getragen, dass seine Aktionen, wie es schreibt, „wie Möwen oder Wale, wie Wind oder Wellen, durch Quantität stärker werden und abwechselnd für Feuchtigkeit sorgen oder verdunsten können, damit man dem augenscheinlich Unvermeidlichen ausweichen oder es hinauszögern oder als dürftige Konstruktion entlarven kann: wie ein zur Brise beschwichtigter Orkan, wie ein zur Welle abgeschwächter Tsunami, der immer noch genug Erosionskraft besitzt, wenn die Zeit dazu reicht“.

Pressematerial

Installationsansichten 2016, Foto Katja Illner

Die Ausstellung IN ADVANCE OF A SHIPWRECK: wird großzügig unterstützt von Sonnen-Herzog