Anna Franceschini

MECHANICALLY YOURS

7. Februar bis 19. April 2015
Eröffnung: 6. Februar 2015, 19.30 Uhr

MECHANICALLY YOURS ist die erste umfassende Werkschau von Anna Franceschini (Jg. 1979) im deutschsprachigen Raum. Die von Stephanie von Gelmini kuratierte Ausstellung bringt filmische Arbeiten der italienischen Künstlerin aus den Jahren 2009 bis 2015 zusammen.

Der Ausstellungsraum wird zur Bühne für bewegte Bilder, die in unterschiedlichen Projektionssituationen präsentiert werden. Filme, kurze und lange Loops, sowie filmische Triptychen sind zyklisch zu einer räumlichen und zeitlichen Struktur verbunden. Das Arrangement folgt einer komplexen Partitur, die auf das atmosphärische Zusammenwirken verschiedener Arbeiten ebenso zielt, wie es das einzelne Werk in den Fokus zu nehmen erlaubt. Dabei werden Bewegung und Statik, Klang und Stille, das Mysteriöse und Banale der Bildwelt Franceschinis miteinander verwoben.

In den Filmen der Künstlerin spielen Dinge der Alltagswelt, Objekte und Apparaturen, aber auch Räume und Prozesse die Hauptrolle. Ihre Sujets, frei von herkömmlichen narrativen Strukturen, werden aus ihrem Kontext isoliert und im close-up der Kamera fragmentiert in Szene gesetzt. Gegenstände oder Handlungsabläufe rücken so ins Unerklärliche und versperren sich einer klaren Deutung.

Wenn das Kameraauge der Ornamentik von Wandtapeten folgt, erschließt sich daraus nicht die räumliche Situation oder gar die architektonischen Gegebenheiten, in denen die Bilder entstanden sind; die Vorgänge einer Großwäscherei verschwinden hinter einer geradezu grotesk wirkenden Apparatur, die Kleidungsstücke mit heißer Luft aufbläst und ihnen regelrecht Leben einzuhauchen scheint; eine im Wind Wogen schlagende Flagge wird durch die Kadrierung so angeschnitten, dass sich hinter ihr ein Ort zwar andeutet, dieser Ausblick im nächsten Moment allerdings wieder verdeckt wird. Das Fragment bietet Anreiz, sich das größere Ganze vorzustellen, das Phänomen in diesem Sinne zu interpretieren.

Es ist dieses merkwürdige Eigenleben der Dinge, das auf die Traditionen der neusachlichen Fotografie bzw. des modernistischen Experimentalfilms der 1950er und 60er Jahre verweist, bei dem filmische Apparatur und die Material- und Objektqualität des Gefilmten einander bedingen und damit – ohne alle Erzählung – Signifikanz herstellen. Franceschini greift auf die in der cineastischen Bildproduktion mittlerweile nicht mehr länger verwendeten Techniken von 16mm-Film sowie Super 8 zurück, wobei im Laufe ihres Arbeitsprozesses das analoge Filmmaterial in die Immaterialität digitaler Bildmedien überführt wird. Ohnehin bewegt sich ihre Arbeit formal wie thematisch zwischen den Polen der Materialität und des Immateriellen, verbindet Dingwelt und Imagination.

Die spektakulären Aufnahmen ihrer eigens für die Ausstellung produzierten Arbeit Kunstschnee wurden in Neuss in der dortigen Jever Fun Skihalle realisiert. Das daraus entstandene filmische Triptychon lässt offen, wie ‚real’ die gezeigten Szenen sind. Vermeintliche Naturgewalten und die bedrohliche Monumentalität technischer Apparate, die ins Detail gehende filmische Repräsentation und der auf Simulation basierende Originalschauplatz geraten dabei miteinander in Konflikt und lassen kaum ahnen, dass die Halle doch eigentlich als Freizeitanlage zum Wintersportvergnügen genutzt wird.

Installationsansichten 2015, Foto Katja Illner

 

 

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