Henry Flynt

"Token" (2011)

 

In der Pragmatik, einem Teilbereich der Linguistik, wird zwischen Type und Token eines Zeichens unterschieden. Token ist das konkrete Erscheinen bzw. das Vorkommen eines Zeichens; Type bezeichnet das ‚Design’ bzw. die Geometrie, die sämtliche Erscheinungen des entsprechenden Zeichens kopieren.

Wenn demgemäß der Buchstabe ‚o’ Type wäre, würde ihm als Token die besonderen grafische Darstellung eines Kreises entsprechen. Dem liegt allerdings eine versteckte Hypothese zugrunde. Ein Token wird einem im Normalfall über das Sehvermögen bewusst. Die Hypothese wäre demnach, dass das Sehvermögen materielle Objekte erkennt – üblicherweise Tintenspuren auf Papier. Der Begriff Token hat hierin seinen (etymologischen) Ursprung.

Festzuhalten ist, dass bereits ein Kreis an sich Type ist - und zwar, wenn er als eine geometrische Abstraktion aufgefasst/wahrgenommen wird.

Dadurch, dass ich eine grafische Darstellung mit einem Kasten umgebe, möchte ich sie als Type verstanden wissen. Wenn ein Dokument mehrfach erzeugt wird, ist die derart hervorgehobene Darstellung immer noch ebendiese Darstellung auf dem Blatt, selbst dann, wenn mehrere Kopien des Blattes vorhanden sind. Das ist eine ziemlich komplizierte Situation.

Die Arbeit „Token“ besteht aus einer durch einen Kasten hervorgehobenen Strichzahl (in Original: „stroke numeral,“ nach David Hilbert), welches nun als Internet-Dokument gezeigt wird.

Plötzlich sehen wir, was wir auch auf einem Blatt Papier sehen würden: eine Anordnung vertikaler Striche, die von einem Kasten umgeben sind. Wo aber ist das Token?

"Token"