Samstag, 16. Mai 2009, 14-21 Uhr
Das uneingelöste Versprechen
Stadt zwischen urbanem Gedächtnis und Aktualisierungsanspruch
Stadt generiert sich heute entlang neuer Gestaltungsparameter. Analog zur ökonomischen wie auch gesellschaftspolitischen Entwicklung hat sich der Kontext stadtgesellschaftlicher Aushandlungsprozesse radikal verändert. Die Konsensgesellschaft produziert öffentliche Diskussionen, Wettbewerbe und partizipative Verfahren als Inszenierung des Demokratischen, wo früher die Administration über die Köpfe hinweg die Gestaltung öffentlicher Räume entschied.
Auch städtische Aktualisierungsintervalle und damit Gestaltungs- und Entscheidungsnotwendigkeiten verdichten sich, wobei die Halbwertzeit der jeweiligen Entwürfe rapide sinkt. Während in der beschleunigten Fluktuation urbaner Formen wirtschaftliche Interessen und das Streben nach Homogenität in den Vordergrund treten, verliert sich das Gespür für die Stadt als heterogene Größe und zeiträumlichem Körper, als aktives und real formuliertes Gedächtnis gesellschaftlicher Prozesse. Die Stadt als historischer Kontext und große Erzählung, aus deren uneingelösten Versprechen sich die städtische Zukunft im Dialog mit dem aktuell Vorstellbaren selbst generiert, steht zur Disposition, wenn ihre Erneuerung entlang rein wirtschaftlicher Interessen erfolgt.
Wie kann sich Stadt demnach als permanent neu ausgehandelte Größe zwischen selektivem Gedächtnis, aktivem Vergessen und zeitgemäßer Aktualisierung neu ausrichten? Wie können Potenziale früherer Entwürfe mit Zukunftsperspektiven korrespondieren? Welche Entscheidungsfindungsprozesse spiegeln die aktive Stadtgesellschaft?
Anhand der Düsseldorfer Neubauplanung rund um das Ensemble aus Dreischeibenhaus, Schauspielhaus und der „Tausendfüßler" genannten Autohochstraße wird diesen Fragen nicht nur am lokalen Beispiel, sondern als Perspektive für zu erwartende Stadtentwicklungsprozesse nachgegangen.
14:00 Uhr Vanessa Joan Müller Begrüßung
14:10 Uhr Christoph Schäfer „Wie das Holzpferd der Griechen in Troja schlummern die Versprechen der Vergangenheit in den Ruinen der Stadt"
15:00 Uhr Prof. Dr. Yvonne P. Doderer „Corporate City" - Zur Ökonomisierung von Stadt
16:00 Uhr Kaffeepause
16:30 Uhr Markus Ambach „Die Gesellschaft bekommt, was sie verdient." Über Wettbewerbe, Möglichkeitsräume und die Inszenierung gesellschaftlicher Kommunikation als Display der reinen Potenz
17:30 Uhr Prof. Juan Pablo Molestina, Thomas Fenner „ Köbogen 2" Vorstellung des Gewinnerentwurfs zum planerischen Wettbewerb zwischen Jan-Wellem-Platz und Schauspielhaus
18:30 Uhr Imbiss
19:00 Uhr „Zur Zukunft eines Ensembles" Stadtentwicklung am Beispiel der aktuellen Entscheidungen um das Terrain Dreischeibenhaus, Schauspielhaus, Tausendfüßler und Köbogen
Seit langem wird in Düsseldorf die Zukunft des Ensembles von Dreischeibenhaus, Tausendfüßler und Schauspielhaus diskutiert. Das Thema wurde beispielhaft aus verschiedenen Perspektiven von stadtplanerischen, historischen, bürgeraktivistischen und emotionalen Gesichtspunkten beleuchtet. Mit Beteiligten und Außenstehenden soll nicht nur die Zukunft dieses für Düsseldorf so wichtigen Ensembles diskutiert werden, sondern auch die sich aus diesen Gestaltungsprozessen ergebenden Fragen: Was für eine Rolle spielen historische Bauten bei der Entwicklung heterogener urbaner Strukturen? Wie reagiert Stadt auf die komprimierte Halbwertzeit früherer Entwürfe? Wie kann Stadt auf die beschleunigten Aktualisierungsintervalle reagieren und eine Struktur zwischen Stadterneuerung und urbanem Gedächtnis entwickeln?
Diskussionspartner:
Prof. Juan Pablo Molestina, Molestina Architekten, Köln Thomas Fenner, FSWLA Landschaftsarchitektur Düsseldorf Prof. Dr. Yvonne P. Doderer, Architektin, Stuttgart Vanessa Joan Müller, Direktorin Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen Christian Heuchel, Rheinflügel / bHK, Köln Christoph Schäfer, Künstler / Park Fiction, Hamburg Markus Ambach, Künstler / Projektautor, MAP
Moderation: Frauke Burgdorff, Montag-Stiftung Urbane Räume, Bonn
Ein Projekt im Rahmen von "Collaborations"

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