Geschichte

Der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen wurde im Jahr 1829 gegründet, als Düsseldorf nicht nur Sitz des preußischen Provinziallandtags war, sondern als Akademiestadt mit der sich formierenden Düsseldorfer Malerschule politisch wie kulturell zu neuem Leben erwachte. Erster Direktor des Kunstvereins war der damalige Rektor der Düsseldorfer Akademie, der Maler Willhelm von Schadow, der in engem Austausch mit Künstlern, Bürgern und der Regierung in Berlin den Kunstverein gründete. Ziel des Vereins sollte die Förderung der „gegenwärtigen Kunst“ sein sowie „die Künstler und Kunstjünger in ihrem Bestreben zu unterstützen und allgemeine Teilhabe für das Schöne anzuregen”. Bis zu seinem Umzug in einen festen Ausstellungsraum hatte der Kunstverein seinen Sitz im Düsseldorfer Schloss, in dem im 19. Jahrhundert auch die Akademie untergebracht war. In diesem fanden die ersten jährlichen Ausstellungen statt. Auch Aktivitäten wie die Verlosungen von Kunstwerken unter den Mitgliedern (als Vorläufer der heutigen Jahresgaben) und die Stiftung von Kunstwerken für den öffentlichen Raum fielen in diese erste Phase des Kunstvereins. Die ersten Mitglieder kamen aus ganz Deutschland, vornehmlich aus den Rheinlanden und Westfalen, und waren Förderer und Sammler der vom Kunstverein unterstützten Düsseldorfer Malerschule. Um die Jahrhundertwende zählte der Verein fast 14.000 Mitglieder und galt als kulturpolitisch außerordentlich starke Organisation.

Das 20. Jahrhundert

Abgesehen von dem 1919 gegründeten Kunstmuseum war der Kunstverein bis in die 1960er Jahre die einzige Ausstellungsinstitution in Düsseldorf. Vor diesem Hintergrund und aufgrund einer fehlenden Sammlung Alter Meister – diese war im 18. Jahrhundert von Düsseldorf nach München abgewandert – entschloss man sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in den Ausstellungen des Kunstvereins neben aktueller Kunst auch historische Positionen zu präsentieren.
Zu den wichtigsten dieser historischen Ausstellungen zählen ”Meisterwerke des 15.-20. Jahrhunderts“ mit Werken von Raffael bis van Gogh aus dem Museum in São Paulo, die Weltausstellung der Photographie und eine Werkschau von Aristide Maillol. Zentrale Bedeutung für die spätere Ausrichtung des Kunstvereins hatten jedoch die Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, beispielsweise die Ausstellungen von Peter Brüning (1956), Jackson Pollock (1961), Gerhard Richter (1971) oder die frühen Projekte der Gruppe 53 (1956). Die vom Kunstverein gemeinsam mit Hanna Höch, Max Ernst und Man Ray organisierte DADA-Ausstellung im Jahr 1958 war nicht nur eine international wichtige Ausstellung, sondern hat für die in Düsseldorf entstandene Fluxus-Bewegung entscheidende Impulse gegeben.
In den letzten Jahrzehnten hat sich der Kunstverein mit international ausgerichteten Einzelausstellungen und thematischen Gruppenausstellungen profiliert, auch hier mit Fokus auf das Aufspüren wichtiger Tendenzen. Im Sinne der langen Tradition ist uns auch heute Raum für Experimente ebenso wichtig wie die Neuentdeckung wegweisender Positionen.

Gegenwart

Seit 1967 teilt sich der Kunstverein mit der Kunsthalle den von Konrad Beckmann entworfenen Bau am Grabbeplatz im Zentrum Düsseldorfs. Die Gestaltung des Gebäudes als aus Betonfertigteilen gefügter Kubus ist ein prägnantes Beispiel brutalistischer Architektur. Als Ende der 1990er Jahre die Idee aufkam, das bewusst der Harmonie mit den umliegenden Häusern sich verweigernde Gebäude abzureißen, engagierten sich Düsseldorfer Künstler und Bürger erfolgreich für dessen Erhalt. Umfangreiche Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen haben dem Bau wenig später sein ursprüngliches Erscheinungsbild wiedergegeben und auch die funktionalen Aspekte des Entwurfs wieder in den Vordergrund gerückt.
Der Kunstverein verfügt über einen 360 qm großen Saal im Obergeschoss mit angrenzendem Foyer mit Blick auf den Grabbeplatz. Der gegenüber liegende, „Emporensaal“ genannte Raum im Obergeschoss kann von Kunsthalle und Kunstverein gemeinsam genutzt werden. Einzelausstellungen stehen heute neben thematischen Gruppenausstellungen, die aktuelle künstlerische Praxis auf ihr kritisches Potenzial hin befragen. Vermittlungsangebote aus Vorträgen, Führungen, Filmen und Publikationen ergänzen das Programm und eröffnen neue Denk- und Handlungsräume.