JAHRESGABEN 2018 / 2019

COSIMA VON BONIN, NIKO CHODOR, KASIA FUDAKOWSKI, ALEX HEILBRON, RAJKAMAL KAHLON, ASTRID KAJSA NYLANDER, PAUŁ SOCHACKI, TOBIAS SPICHTIG, JOSEF STRAU, ROSEMARIE TROCKEL, PETER WÄCHTLER, MIN YOON 

 

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Cosima von Bonin

RAKETENTEST, 2018 

Baumwolle, Eisen, Lack, Schaumstoff 

Höhe 80 cm, Durchmesser 10 cm 

Edition mit Unikatcharakter 

Auflage 12 + 4 AP 

€ 4.200.- 

 

Kennen Sie die Rakententests, bei denen Mittel- und Langstreckenraketen plötzlich und völlig überraschend aus der Meeresoberfläche hervorschießen, abgefeuert aus unterirdischen Arsenalen? Aus der scheinbar friedlichen Tiefe? Wie jeder weiß, lebt Cosima von Bonin zurzeit umgeben von Hippie-Fischen und superintelligenten Oktopussen am Grund des Ozeans. Und zwar neben einer solchen geheimen Unterwasser-Raketenstation. Es ist noch nicht ganz geklärt, ob ein Hippie-Fisch zufällig auf den roten Abschussknopf gedrückt hat oder ob Cosima von Bonins Geschosse mit voller Absicht in Museen und Kunstvereinen einschlagen. Denkbar wäre es. Für die Jahresgaben des Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen sind zwölf dieser wundervoll handgefertigten und weichen Flugkörper neu produziert worden. Bezogen mit schwarzweiß kariertem Stoff haben diese, anders als Cosima von Bonins bisherige Raketen (die von Haien gefressen oder von Küken mit Erbrochenem bedeckt werden), im Inneren einen eingenähten Metallsockel, so dass sie stets aufrecht und somit quasi abschussbereit stehen. Eine Umstationierung ist trotzdem jederzeit möglich. (Claus Richter)

Niko Chodor

EVERYTHING I WANT TO EAT IN DÜSSELDORF, 2018 

120-seitiger Restaurantführer, Digitaldruck auf Papier 

20 cm x 17 cm 

Auflage 40 + 10 AP 

€ 48.- 

  

Ode to Düsseldorf 

I arrived. I left. I brought something. I took something. We shared nights. We shared days. Are you hungry? 

I cooked something. I ate something. We ate together. We ate separate. Why are we eating? 

What can you share? What can we share? Can you share a night? 
Can you share an experience? Experience as a group. Can you share food? Can you share a dinner? Can you share this guide? Go and eat together. 

Niko Chodor absolvierte sein Kunststudium Anfang dieses Jahres an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Dominique Gonzalez-Foerster und Trisha Donnelly. Vor seinem Umzug nach Los Angeles fertigte er seine Jahresgabe für den Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen in Form eines kulinarischen Stadtführers durch die Stadt Düsseldorf an. (Niko Chodor)

Kasia Fudakowski

(v.l.n.r.)

I’VE BEEN DRINKING OF YOU (UP AGAINST THE WALL), 2018 

I’VE BEEN DRINKING OF YOU (UP AGAINST THE WALL), 2018 

I’VE BEEN DRINKING OF YOU (UP AGAINST THE WALL), 2018 

Stahl, Lack, Einkaufsnetz, Plastik, Glas, Wein 

120 cm x 25 cm x 12 cm 

Auflage 3 + 2 AP 

€ 1.400.- 

 

Begleitende Bühnenanweisungen: [Wein aus dem Plastikbeutel ins Glas schütten, einen Schluck nehmen und mit der Rede beginnen] „...Während das nun ironisch bezeichnete Vereinigte Königreich sich in einem Zustand tiefster Entzweiung auf den Austritt aus der EU vorbereitet [ausgiebiger Schluck], hängt das Schicksal von so vielen in der Schwebe. [Kleiner Schluck] EUCH mag das egal sein, aber der schmutzige Flirt mit dem, was einst beschönigend als „Unabhängigkeit“ bezeichnet wurde, riecht [ausgiebiger Schluck], seitdem diese „gewonnen“ wurde, zunehmend nach Isolation. Vereint sind wir nur in unserem Gefühl des Verrats [kleiner Schluck], während die EU traurig dreinblickt und langsam ihren Kopf angesichts der größten Selbstsabotage schüttelt, die ein Land je begangen hat [ausgiebiger Schluck]. Der Spielraum für Diplomatie wird immer kleiner. Der Prozess hat begonnen, der Korken ist gezogen, der Hahn aufgedreht [ausgiebiger Schluck]. Hebt also Eure Gläser, die Ihr nicht mehr absetzen könnt, und packt Eure Zukunft in Koffer oder geht in Deckung, ...denn es scheint, als würden wir hier so oder so für eine Weile festsitzen... [Das Glas erneut ansetzen, um den letzten Tropfen zu trinken, bis nur der Nippel des leeren Glases zurückbleibt] ...Hört Ihr überhaupt zu...?!“ [Ein weiteres Glas einschenken und alles wiederholen, bis der Wein geleert ist. Am besten allein durchführen] (Kasia Fudakowski)

Alex Heilbron

(v.o.n.u.)

DON’T, 2018 

I COULD - EVENTUALLY, 2018 

RELIEVE AND PANIC, DEGREE OR SHAME, 2018 

Kugelschreiber auf Papier, Verpackungsband auf Plexiglasspiegel 

Je 34,2 cm x 45,7 cm 

3 Unikate 

Je € 650.- 

  

In ihren Malereien und Zeichnungen, gelegentlich auch in Texten, lotet die Künstlerin Alex Heilbron das Wechselspiel zwischen Oberfläche und Tiefe, Opazität und Transparenz aus – räumlich wie psychologisch. Für ihre geometrisch gefassten, flächigen Kompositionen schöpft sie aus dem Buch- und Plakatdesign: Ihre stilisierten weiblichen Figuren sind introspektiv versunken und zugleich exponiert. Der Effekt ist gezielt theatral; ähnlich dem voyeuristischen Blick in ein nächtlich erleuchtetes Wohnzimmer, das sich als Schaufensterauslage entpuppt. Die drei collagierten Kugelschreiberzeichnungen setzen diese Gratwanderung zwischen Verschleierung und Bekenntnis sowie die Suche nach einer spezifisch weiblichen Repräsentation fort. Spiegelbilder, die wiederholt in Heilbrons Malereien erscheinen, weichen hier konkreten Plexispiegeln, die den Bildhintergrund bilden. In Don’t sind die Klebeband- streifen, die etwa zum Hängen oder Fixieren auf Karton gebraucht werden, auf den Bildvordergrund gewandert. Hardware und Narration befinden sich auf einer Ebene: Nichts wird verborgen, jedoch auch nichts preisgegeben. In Relieve and Panic, degree or shame – der Titel spielt auf einen typisch studentischen Angstzustand (oder das Klischee desselben) an – öffnet sich neben einer gekachelten Wand eine Tür ins Nichts. (Stephanie Weber)

Rajkamal Kahlon

DIE VÖLKER DER ERDE, 2018 

Acryl auf Digitaldruck 

Je 27 cm x 20 cm 

Edition mit Unikatcharakter bestehend aus einem Set drei handkolorierter Drucke 

Je € 1.500.- (gerahmt) 

 

Die Völker der Erde ist ein 1902 in Deutschland erschienenes Buch, das ich in Wien erwarb. Als ich im Frühjahr dieses Jahres in meinem Berliner Studio saß, begann ich, das Buch zu zerschneiden. Dieser Prozess, der mit der Zerstörung des Buches begann, war der Auslöser für ein produktives und beständig wachsendes Projekt, in dessen Zentrum der Akt des Widerspruchs (talking back) steht – ein Widerspruch nicht nur dem Autor gegenüber, sondern auch gegenüber der Disziplin der Anthropologie und dem umfassenderen Projekt des europäischen Kolonialismus, auf dessen Grundlage die Weltanschauung beruht, nicht-europäische Kulturen seien primitiv, unzivilisiert oder barbarisch. Hunderte von ausgeschnittenen Buchseiten bilden den Ausgangspunkt für meine malerischen Interventionen. Meine Erwiderungen auf die zahlreichen Bilder und Fotografien des Buches reichen von poetischen Transformationen bis hin zu ironischen Verdrehungen oder gewaltsamen Gesten der Vergeltung. Surreal, komisch und voll scharfer Kritik, handelt es sich bei Die Völker der Erde um ein auch aktuell hoch relevantes Projekt, das die miteinander verwobenen Historien von Macht, Bild und Repräsentation reflektiert. (Rajkamal Kahlon) 

Astrid Kajsa Nylander

(v.l.n.r. / v.o.n.u.)

MINI-JOB, 2018 

Öl auf Leinwand 

8 Unikate 

 

LILA MINI-JOB, 60 cm x 51 cm 

BLAUER MINI-JOB #2, Durchmesser 50 cm 

SCHWARZ-WEISSER MINI-JOB, Durchmesser 50 cm 

Je € 1.000.- 

 

GELBER MINI-JOB, 34,5 cm x 40 cm 

SCHWARZER MINI-JOB, 34,5 cm x 40 cm 

GRÜNER MINI-JOB, 34,5 cm x 40 cm 

PINKER MINI-JOB, 30 cm x 30 cm 

PINKER MINI-JOB #2, 30 cm x 30 cm 

Je € 900.-

 

Astrid Kajsa Nylanders Mini-Jobs bestehen aus von der Künstlerin selbst verformten Leinwänden, die unterschiedlich farbige Knöpfe darstellen. Knöpfe tauchen als Motiv in ihren Malereien wiederholt auf. Bei der Darstellung von Letzteren interessiert sie das Zusammenspiel der Flächigkeit des textilen Gewebes einerseits und der illusionären Tiefe des Trompe-l‘Œil andererseits. Darüber hinaus ist es immer auch das Verhältnis von räumlichen und sozialen Rollen, das sie in der Malerei erforscht, um dieses zweidimensionale bis in die Gegenwart stark männlich dominierte Feld als dreidimensionalen, feministischen Diskursraum zu aktivieren: durch eine Überschreitung zur Innenarchitektur und Szenografie, anhand von kunsthistorischen ebenso wie persönlichen Referenzen sowie schließlich über den Einsatz von Performances, Musik, Theater und Installation. So verschränken sich analog in ihren Jahresgaben klassische Sujets der Kunstgeschichte mit persönlichen Erinnerungen an die Handarbeiten ihrer Großmutter, die großen Einfluss auf Nylander nahm. Es ist die Überführung des weiterhin weiblich konnotierten Kosmos von Handarbeit und Kunsthandwerk auf die Leinwand, der sich Nylander im Rahmen ihrer Mini-Jobsfür den Kunstverein annimmt, um überholte Wertigkeiten und Rollenklischees fortlaufendend zu dekonstruieren. (Gesa Hüwe / Jasmin Klumpp)

Pauł Sochacki

(v.l.n.r. / v.o.n.u.)

KÖ-BLICK, 2018, Öl auf Leinwand, 72 cm x 65 cm, Unikat, € 1.600.- 

HOCHWASSER, 2018, Öl auf Leinwand, 72 cm x 65 cm, Unikat, € 1.600.- 

GEHEN IST MENSCHLICH, 2018, Öl auf Leinwand, 60 cm x 45 cm, Unikat, € 1.300.- 

ADAM UND EVA, 2018, Öl auf Leinwand, 52 cm x 40 cm, Unikat, € 1.200.- 

WORRINGER PLATZ, 2018, Öl auf Leinwand, 44 cm x 32 cm, Unikat, € 1.100.- 

 

Malerei ist für den 1983 in Kraków geborenen Pauł Sochacki nur eins von vielen Mitteln, mit denen er die künstlerische Geste, das Werk und die Institutionen der Kunst aus ihren falschen Exotisierungen befreit und auf das gesellschaftliche Ganze zurückbezieht. Andere sind delegierte Performances oder das durch Obdachlose verkaufte Magazin Arts of the Working Class. Für den Kunstverein hat Pauł Sochacki fünf Hommagen an Düsseldorf gemalt: den auf der Kö flanierenden Schwan, der seine Wirkung in der Fassade des Dreischeibenhauses überprüft; den Obdachlosen, der Schutz unter dem Gefieder einer Taube am Worringer Platz findet; die Gehry-Hochhäuser, die zusehen, wie ihnen das Rhein-Hochwasser zu nahetritt; zwei miteinander züngelnde Seepferdchen, die die Länge der von ihnen umschlungenen Fernsehtürme vergleichen; und einen Karnevalisten mit den Zügen des Mettmanner Neandertalers, der mit Knochen zum identitären Marsch aufspielt. Mit zartem, herbem, kratzendem bis gerade so vorhandenem Strich kitzelt Sochacki die tieferen libidinösen Schwingungen der Stadt heraus, in der er aufgewachsen ist. Statt den Raum der Betrachter_innen auszubauen, indem er in heroischen Gesten Ausblicke auf Neues, Fremdes böte, macht er die Wände dieses Raums durchlässig. Man steht wie nackt vor diesen sich nackig machenden Bildern. (Kolja Reichert) 

Tobias Spichtig

(v.o.n.u.)

WOLLDECKE FÜR DÜSSELDORF #1, 2018, 200 cm x 140 cm 

WOLLDECKE FÜR DÜSSELDORF #2, 2018, 210 cm x 140 cm 

WOLLDECKE FÜR DÜSSELDORF #3, 2018, 180 cm x 140 cm 

Handgesponnene Schafwolle, gestrickt von Theres Spichtig 

Serie von drei Unikate 

Je €1.750.- 

 

Tobias Spichtigs Jahresgabe für den Kunstverein, Wolldecke für Düsseldorf #1 - 3, besteht aus drei großformatigen Wolldecken aus Schafwolle. Sie wurden von seiner Mutter Theres Spichtig aus von ihr selbst gesponnener Wolle gestrickt. Durch die verschiedenen Strickmuster, welche der Künstler zusammen mit ihr entwarf und den Schattierungen der naturbelassenen Wolle erscheinen die Decken als abstrakte, textile „Gemälde“. Es handelt sich jedoch um ausdrücklich zu benutzende Gebrauchsgegenstände für die kalten Wintermonate. Mit der Arbeit schreibt Spichtig sein künstlerisches Interesse entlang eines erweiterten Malereibegriffs fort. So erinnern die Jahresgaben beispielsweise an seine mit Farbflächen aus Strickware und Stoff überzogenen Pyramiden, Quader und Zylinder, die wie modernistische Hybride aus Gemälden, Mode und skulpturaler Setzung erscheinen. Neben Themen und Tropen von der Modeindustrie, die häufig in seinem Oeuvre vorkommen, sind es bei den Wolldecken für Düsseldorf zusätzlich explizit lebensweltliche und kunsthandwerkliche Bezüge, die abgerufen werden. Die Malerei ist auf das Textile der Leinwand reduziert, holt sie sodann in die Dreidimensionalität und verwandelt sie schließlich in die Körper, die sie im Gebrauch umhüllt. (Daniel Falb)

Josef Strau

THEOPHANES RECOUNT #1 - 3, 2018 

Zinn, Acryl auf Leinwand, Textposter 

Je 42 cm x 59,4 cm 

Serie von drei Unikaten 

Je € 2.700.- 

 

Nach Jahren der parakünstlerischen Aktivität als Organisator von Ausstellungen, Galerist, Assistent und Schreiber im Köln der 1980er und -90er Jahre und später in Berlin, ist Josef Strau heute bekannt für seine installativen Verbindungen von Text und Objekt. Im Fokus seiner Praxis steht dabei das Nachdenken über (die eigene) künstlerische Subjektivierung und Produktion. Seine Jahresgabe setzt in verkleinertem Maßstab eine aktuelle Werkserie fort, für die der Künstler seine charakteristischen Textplakate mit in Zinn eingefassten Leinwänden kombiniert. In Anlehnung an Heiligenbilder als Ikonen betitelt, greift die Arbeit durch das metallene, mit einem Lötkolben verzierte Gewand der Malerei über Motive von Verhüllung und Entblößung hinaus Straus frühere ikonoklastische Haltung wieder auf. Das als konkret-poetisches Lamento gestaltete Poster rahmt das auf ihm montierte Objekt nicht nur buchstäblich, sondern bettet es sprachlich ein in die Narration seiner Entstehung sowie autobiografische Reflektionen über das „Zum-Künstler-Werden“ des Autors, versetzt mit psychoanalytischen und religiösen Deutungen. Umgekehrt verankert die Malerei Straus Texte in der Ökonomie der Kunst und fördert so den Lebensunterhalt – in diesem Fall auch den des Kunstvereins. (Moritz Nebenführ)

 

 

Rosemarie Trockel

BIG NIGHT DOWN THE DRAIN, 2018 

Digitalprint auf Papier 

120 cm x 80 cm 

Auflage 6 + 2 AP 

€ 5.400.- 

 

Rosemarie Trockel zählt zu den wichtigsten Künstlerinnen ihrer Generation. Mit ihrem weitgefächerten Oeuvre prägt sie den Kunstdiskurs bereits seit den 1980er Jahren entscheidend. Ausgangspunkt für Big Night down the Drain (2018), ihre Jahresgabe für den Düsseldorfer Kunstverein, bildete ein Handyschnappschuss Trockels, der die Coverstory einer Tageszeitung anlässlich des 80. Geburtstag von Georg Baselitz zeigt. Die schlagzeilenträchtigen Aussagen des Künstlers über Malerei und Rollenklischees, die Trockel in den Blick nimmt, dürften auch bezogen auf die lange Malereitradition in Düsseldorf kaum an Wirkung verfehlen. Den Titel der Arbeit hat sie einem frühen Werk von Baselitz von 1963 entliehen, einer Zeichnung, welche eine männliche Figur ihr Geschlechtsteil in der Hand haltend zeigt. Mit kompositorischen Veränderungen und dem gezielten Einsatz von vermeintlich „gegenderter“ Farbigkeit hinterfragt Trockel in süffisanter Manier verbreitete Lesekonventionen und heteronormative Vorstellungen von Geschlechtlichkeit. Mit Humor, Ironie und subtilen Einschreibungen untergräbt sie gesellschaftliche Minenfelder und zeichnet mit dieser Arbeit ein denkwürdiges Portrait. (Carla Donauer) 

Peter Wächtler

(v.o.n.u. / v.l.n.r.)

OHNE TITEL #1, 2018 

OHNE TITEL #2, 2018 

OHNE TITEL #3, 2018 

OHNE TITEL #4, 2018 

OHNE TITEL #5, 2018 

Keramik, Glasur 

Höhe 14 cm, Durchmesser ca. 13 cm 

Serie von fünf Unikaten 

Je € 1.600.- 

 

Kleinbürgerliche Gemütlichkeit hat immer etwas Erschreckendes. In ihr lauern Erinnerungen an Kindheitszeiten, in denen man noch wenig Einfluss auf das von den Erziehungsberechtigten gestaltete Interieur des eigenen Lebens hatte. Objekte einer (un)glücklichen, unfreien Vergangenheit. Peter Wächtler bringt solche Formen autorenlosen Designs aus Dorfschenken und Töpferkursen als Kunst in unsere Wohnungen zurück. In Wohnungen, die zumeist jeglichen Anklang an solche Residualreste des Provinziellen gezielt vermeiden. Aus Ausstellung wird Einrichtung. Objekte, die, wie diese Stövchen, als Kunsthandwerk zwischen Dilettantismus und Feierabendbeschäftigung liegen, und deren Status als künstlerische Unikate sie geradezu unangenehm persönlich wirken lässt. Als habe man ein Objekt vor sich, das der international ausstellende Künstler Peter Wächtler nach getaner Arbeit zur Entspannung von der eigenen Professionalität hergestellt habe. Aber Wächtlers ästhetische Kleinbürgerlichkeit hat nichts Persönliches. Sie zieht sich durch sein gesamtes Oeuvre, steckt in seinen Filmen und Zeichnungen ebenso wie in diesen Keramiken. Sie ist die Signatur einer präzisen Ästhetik des Residualen, einer Kunst der kulturellen Reste, einer Aktualität des Abgestandenen. (Kerstin Stakemeier)

Min Yoon

(v.o.n.u.)

UNTITLED #1, 2018 

UNTITLED #2, 2018 

Kugelschreiber, Bleistift, Stoff, Aquarell auf Leinwand 

32 cm x 40 cm 

2 Unikate 

Je € 1.300.- 

 

Untitled #1 und Untitled #2 bestehen je aus einer mit nebulösen, ultramarinen Farbverläufen versehenen Leinwand. Bei dem von Min Yoon verwendeten Farbton handelt es sich um eine im Mittelalter aus Lapislazuli gewonnene und daher äußerst wertvolle Farbe. Sie wurde kürzlich in limitierter Auflage der Firma Schmincke nach dem ursprünglichen Verfahren aus teuren Halbedelsteinpigmenten wiederhergestellt. In die textile Oberfläche seiner Unikate hat der Künstler zudem kleine Stoffhalterungen eingenäht, um einen gebogenen Kugelschreiber und einen Bleistift zu befestigen. Auf Letzterem ist der Satz „easy to identify and symbolize“ zu lesen, ein Auszug der Broschüre mit der die Firma BIC ihre Kulis beschreibt. Yoon hat diesen Spruch über die E-commerce-Webseite Etsy.com eingravieren lassen, auf der vor allem Kunsthandwerk und Spezialanfertigungen von Profis und Laien angeboten werden. So verhandelt Min Yoon diejenigen Farb- und Zeichenutensilien in seinen Arbeiten, aus denen sie entstehen, ebenso wie deren Ästhetik und Bewerbung. Ausgehend von dem Motto eines auf Etsy vertretenden Onlinehändlers, „personalized goods are always imperfectly perfect“, brachte er zudem zwei zusätzliche bislang noch leere Halterungen an, die durch Stifte der zukünftigen Eigentümer_innen perfektioniert werden können. (Gesa Hüwe / Jasmin Klumpp)