OFF THE RECORD: Fake Fate – Vortrag von Jan Verwoert

Mit anschließendem Gespräch zwischen Jan Verwoert und Noemi Smolik

Mittwoch, 30. Mai 2018, 19 Uhr

Heute eine Meinung über Trump zu haben ist genauso unausweichlich wie Weihnachten Songs von Mariah zu hören: unausweichlich. Was ist die existentielle Lust am Spiel mit der flachen Form? Warum feiert sich das Erzkonservative so erfolgreich im Trash, warum erstrahlt die alte Idee des Echten so grell im Licht des überoffensichtlich Unechten, was macht das schnelle Flackern von REAL und FAKE so anziehend? Was hat die Linke dem entgegenzusetzen? Das Bekenntnis zu Fakten und Fortschritt durch Aufklärung? Jeder zweite deutet die Beschwörung von Vernunft heute als Bevormundung von oben. Wie kann das Plädoyer für eine bessere, offenere, nicht identitär verkümmernde Gesellschaft nicht in die Falle gehen, oberlehrerhaft zu klingen? Was wenn das Gefühl für das, was uns schicksalshaft zusammenwirft, wirklich gerade korrupten Formen innewohnt, die dem Leben kurz den Heiligenschein der Absturzkneipen-Neonlampen und Technicolor-Diven-Aura geben? Fassbinder und Pasolini gaben linken Idealen in diesem Licht einen existentiellen Widerschein. Wer tut das heute, queer, feministisch, postkolonial? Lässt sich dem wohlfeilen rechten Spiel mit der flachen Form eine linke Lust an Trash und Camp entgegensetzen, die Freud und Leid existentiell, abseits falscher Normen, vielschichtig verkörpert? (Jan Verwoert)

Noemi Smolik ist eine in Bonn und Prag lebende Kritikerin und Kuratorin. Ihre Texte über zeitgenössische Kunst erscheinen im Artforum, frieze Magazine, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, auf e-flux und Artblog-Cologne. Zudem lehrt sie Kunstkritik und Theorie an der Universität zu Köln.

Jan Verwoert ist ein in Berlin lebender Kritiker, mit dem Schwerpunkt zeitgenössische Kunst und Kulturwissenschaften. Er ist mitwirkender Redakteur des frieze Magazins und veröffentlicht regelmäßig Texte in verschiedenen Zeitschriften, Aufsatzsammlungen und Monographien. Verwoert lehrt am Piet Zwart Institut in Rotterdam, ist Professor für Theorie an der Kunsthochschule Oslo und Gastprofessor der Graduiertenschule der Universität der Künste Berlin.

Vortrag und Gespräch sind in enger Zusammenarbeit mit Cahier entstanden.

Eintritt 3 Euro. Für Mitglieder ist der Eintritt frei.

Die Veranstaltung ist Teil von OFF THE RECORD, einer vom Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen organisierten und das diesjährige Ausstellungsprogramm begleitenden Veranstaltungsreihe. Mit OFF THE RECORD werden erweiterte Perspektiven auf die Aktivitäten des Kunstvereins eröffnet und Möglichkeiten gegeben, spontan auf aktuelle Diskussionen während Screenings, Performances und Lesungen zu reagieren.